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Abzocke Leichenschau

  • Autor: Sebastian A. Götz
  • Datum: 19/10/2018
  • Verlag: Focus
  • Kategorie: Recht

Bei der Abrechnung der Kosten der Leichenschau treten immer wieder Probleme auf. Für Ärzte lohnt sich die Pflichtaufgabe finanziell nicht, deswegen werden immer wieder unzulässige Positionen abgerechnet.

Wenn jemand gestorben ist, muss man auf jeden Fall einen Arzt hinzuziehen, der den Tod amtlich feststellt und bescheinigt. Erst dann kann der Bestatter die Leiche überführen. Dabei gibt es einiges zu beachten.

  • Ärzte müssen nach der Gebührenordnung für Ärzte abrechnen.
  • Es sind nur bestimmte Rechnungspositionen zulässig!
  • Bei Unklarheiten helfen die Ärztekammern weiter.

Zwar muss jeder Arzt auf Anfrage eine Leichenschau durchführen, aber er ist beispielsweise nicht verpflichtet, die Behandlung eines noch lebenden Patienten deswegen abzubrechen. Das kann für die Hinterbliebenen des Verstorbenen bedeuten, dass sie unter Umständen einige Stunden warten müssen, bis der Arzt kommen kann – in seiner Pause oder nach Praxisschluss.

Vor allem ist zu beachten, dass die Feststellung des Todes nicht in die Pflichten der gesetzlichen Krankenkassen fällt. Daher handelt es sich hierbei immer um eine private Leistung der Ärzte gegenüber den Angehörigen.

Leichenschau: Zulässige Positionen einer Abrechnung

Der Arzt untersucht den Toten, stellt den Todeszeitpunkt fest und stellt den Totenschein aus. Bei der Abrechnung der Leichenschau treten immer wieder Probleme auf. Häufig enthält die Rechnung Positionen, die man nicht gleich versteht. Und es kommt auch oft genug vor, dass manche Rechnungspositionen nach der Gebührenordnung für Ärzte gar nicht zulässig sind.

Eine solche ordentliche Rechnung kann beispielsweise folgende Punkte enthalten:

  • Todesfeststellung durch den Arzt (Pos. 100), Kosten von 14,57 € bis 51,00 € (Faktor 1,0-3,5)
  • Fahrtkosten des Arztes bei Tag (§8), Kosten von 3,58 € bis 15,34 € oder
  • Fahrtkosten des Arztes bei Nacht (§8), Kosten von 7,16 € bis 25,56 €
  • Formularkosten der Todesbescheinigung (§10), meist ca. 10 €

Hieraus ergeben sich Gesamtkosten von ca. 28,15 € bis 86,56 €, je nach Situation.

Die komplette Gebührenordnung für Ärzte im Detail, können Sie hier ein sehen.

Abrechnung: Diese Positionen besser prüfen lassen

Darüber hinaus könnte eine Abrechnung noch weitere Positionen beinhalten, die teils zulässig, aber auch einfach nicht zulässig sein können:

  • Zuschläge nach den Abschnitten B-II und B-V sind nicht zulässig
  • Ausstellen einer Bescheinigung nach Position 75 ist nicht zulässig
  • Position 4 ist nicht berechenbar, da die Position 100 diese Leistung enthält
  • Verweilgebühren nach Position 56 sind nicht berechenbar
  • Position 100 mit Faktor 3,5 nur mit entsprechender Begründung
  • Position 50 kann mit den entsprechenden Zuschlägen B-V berechnet werden, wenn der Arzt zu einer noch lebenden Person gerufen wurde. Hierbei kann bei gesetzlich versicherten Personen der Arzt über die Krankenkasse einen EBM-Besuch abrechnen
  • Positionen 102, 104,105,107 sind zulässig, wenn diese durch den noch lebenden Patienten oder den Angehörigen gewünscht wurden oder diese nach landesrechtlichen Vorschriften vorzunehmen sind

Wer sich unsicher ist, ob die Rechnung des Arztes, der die Leichenschau durchgeführt hat, korrekt ist, sollte sich beraten lassen. Dies können aber nicht die Krankenkassen machen; sie dürfen die Abrechnungen nicht kontrollieren. Der richtige Weg ist daher, im Zweifelsfall die zuständige Landesärztekammer um Hilfe zu bitten. Diese haben die Pflicht, neutral zu beurteilen, ob richtig abgerechnet wurde.